Münsterland Giro 2011 - Cup der Westfälischen Provinzial Versicherung
Bericht von Peter
Beim letzten großen Rennen der Saison, dem Münsterland-Giro, wollte ich auch aufgrund der tollen Erlebnisse in Nürnberg unbedingt teilnehmen. Neben letztlich über 1.900 anderen Teilnehmern meldete ich mich gemeinsam mit einem Freund zur 110km-Tour an. Die 60km-Tour ( über 1.400 Teilnehmer) und die 140km-Tour (über 800 Teilnehmer) waren ebenfalls sehr gut belegt.
Die Onlineanmeldung war meiner Ansicht nach etwas kritikwürdig. Man sollte seine Durchschnittsgeschwindigkeit in der Ebene und am Berg angeben. Meinten die damit die Fahrt in einer Gruppe, die Fahrt über eine längere Strecke? Welchen Berg meinten sie? Stilfser Joch oder Teutoburger Wald? So trug ich meiner Ansicht nach ehrliche Werte ein, in der Hoffnung, dass ich nicht ganz hinten starten muß. So kam es dann aber leider fast. Ich sollte aus dem Startblock D starten (A-E) egal - dann räume ich das Feld halt von hinten auf ;)
Ich buchte uns ein Hotel in Münster und wartete auf das kommende Wochende. Zuvor tauschte ich noch meinen verdienstvollen Polar CS200 durch einen ROX 9.0 Bike Computer aus. Die Auswertungsmöglichkeiten am PC beeindruckten mich doch sehr. Mein Kumpel Sascha, mit dem ich die Tour machen wollte musste aus privaten Gründen leider absagen - so fuhr ich dann am Sonntag alleine nach Münster.
Meine Hotelwahl war sehr gut. Sollte ich 2012 wieder am Münster-Giro teilnehmen werde ich sicherlich wieder das Factory Hotel Münster buchen. Das Gebäude der ehemaligen Germaniabrauerei wurde sehr interessant umgebaut. Sehr puristisch mit industriellen Elementen, aber doch mit ordentlichem Komfort wurde dieses Gebäude wiederhergerichtet. Sehr abgefahren...
Auf dem Parkplatz des Hotels stand schon ein weithin sichtbarer Truck des Nutrixxionteams. Auch in der Tiefgarage standen viele Fahrzeuge mit Fahrradgepäckträgern. An einigen Bikes wurden letzte Vorbereitungen vorgenommen. Ich war also nicht der einzige Radsportfan in dieser Herberge.
Nach dem Check Inn (mein Bike durfte mit aufs Zimmer - schließlich hatte ich ein Doppelzimmer gebucht :) )fuhr ich noch eine Runde durch die Stadt, mich ein wenig orientieren. Das Rennen sollte im Norden von Münster starten und im Zentrum der Innenstadt am Hindenburgplatz enden.
Zurück am Hotel drehte ich meinen tollen neuen Sigma ROX 9-Tacho ab und .... er fiel mir runter. Zuerst dachte ich mir nichts dabei, erst beim 2. Hinschauen sah ich, dass das Display einen ordentlichen Riss hatte und die linke Hälfte der Anzeige nicht mehr funktionierte. Die mir dann durch den Kopf schießenden Schimpfwörter werde ich hier nicht niederschreiben, jedenfalls war ich nicht gerade amüsiert darüber.
Gegenüber meines Hotels ass ich noch ein leckeres Pastagericht und schaute mir anschließend noch den Sonntags-Tatort an.
Es lag weder am Hotel noch dem Bett, dass ich schlecht schlief in dieser Nacht. So hatte ich kein Problem damit um 6:30 Uhr frühstücken zu gehen. Ein super Frühstück in stylischem Ambiente sollte den Tag ideal beginnen lassen. Check out und Auto mit Utensilien zurücklassend startete ich bei 11 Grad Außentemperatur Richtung Startlinie. Die Wettervorhersage war für den Tag der Deutschen Einheit hervorragend, allerdings war um kurz nach 8 davon noch nichts festzustellen. Über Münster hing ein ordentlicher Nebel. Um 8:25 war dann der Startschuß für die Amateure, um 8:35 Uhr waren wir dran.
Es ging recht zügig aus Münster in nord-östliche Richtung raus. Das Feld war recht kompakt und gut unterwegs. Die ersten 47 km hatte ich einen Schnitt von über 40 km/h. Mein Tacho zeigte mir glücklicherweise noch die momentane Geschwindigkeit an, so hatte ich zumindest einen kleinen Anhaltspunkt. Die anderen Daten wie zurückgelegte Strecke und Durchschnittsgeschwindigkeit musste ich erfragen. Durch den Nebel bedingt hatte ich zeitweise das Gefühl durch einen Tunnel zu fahren. Das schöne Münsterer Umland jedenfalls sah ich bis auf silhouettenartige Umrisse von Bauernhäusern kaum.
Im Teutoburger Wald wurde eine 'Bergwertung' eingerichtet. Dort ging es 'satte' 140 HM hinauf und anschließend wieder hinab aufs flache Land. Die Aussage, im Münsterland wären die höchten Erhebungen die Autobahnbrücken stimmten somit nicht ganz - aber fast. Mit der Bergwertung wurde die 2. Hälfte des Rennens eingeläutet. Nicht mehr ganz so zügig wie zu beginn ging es zurück Richtung Münster. Meine Gruppe bestand aus sicherlich 50 Fahrern, die davor fahrende Gruppe war ziemlich uneinholbar davon gezogen.
In Münster wurden alle begeistert empfangen.
Ich beendete das Rennen mit einem Schnitt von 38,1 km/h. Whow - einen 37er hatte ich mir vorgenommen. Mit 2:53:50 erreichte ich Platz 489 von 1668 Teilnehmern, in meiner Altergruppe M2 Platz 230 von 794. Immerhin unter den besten 30%.
Nach dem Rennen gab es noch einiges auf dem Platz vor dem Münsterer Schloss zu sehen. Hersteller, Einzelhändler und vieles mehr ließen das ganze nach einem Volksfest aussehen.
Für mich der absolute Höhepunkt war, als ich Didi Senft, den Tour de France - Teufel sah. Ich ging auf ihn zu und fragte ihn - Herr Senft, darf ich ein Foto mit Ihnen machen? Klar, antwortete er, aber dann gehts zur Pasta!
Pastaparty mit alkoholfreiem Bier und eine außerordentlich Gute Stimmung bei inzwischen strahlendem Wetter machten das ganze fast Perfekt.
Mit fast meine ich folgendes: Ich machte mich langsam auf den Rückweg zum Hotel und lief entlang der Zieleinfahrt. Als die ersten Fahrer des 140er-Rennens in Sichtweite kamen ging ich näher ran um mir das noch anzusehen. Ich stellte mich mit meinem Bike gerade an ein Absperrgitter, als die Fahrer zum Endspurt ansetzten. Ca 20 Meter vor mir tat es auf einmal einen riesigen Schlag. Ich dachte sofort an einen Silvesterknaller, tatsächlich muss es aber der Reifen eines einfahrenden Fahrers gewesen sein. Er stürzte und mit und über ihn stürzten noch einige andere Fahrer. Das Feld war zu eng, als dass ausgewichen werden konnte. Schätzungsweise 5-10 Fahrer stürzten, 2 stürzten direkt vor mir, einer davon stürzte gar in das Absperrgitter vor mir und blieb schwerverletzt liegen. Gemeinsam mit anderen Zuschauern zog ich sofort das Gitter zurück. Rettungssanitäter und Feuerwehrleute waren zur Stelle und versorgten die Verletzten. Ich kümmerte mich um die Fahrräder der beiden direkt vor mir gestürzten. Das Carbonrad des einen Fahrers hatte 2 Komplettbrüche. Ich würde sagen Totalschaden. Ich versprach ihm vor seinem Abtransport in den Rettungswagen, dass er sich keine Sorgen um sein Rad machen bräuchte. Ich würde es für ihn in Sicherheit bringen. Er hatte große Schmerzen.
Ich hoffe, dass ihm nichts wirklich schlimmes zugestoßen ist. Auf diesem Wege alles Gute lieber 1731.
Das ziemlich ramponierte Rad brachte ich anschließend zum Infozelt des Veranstalters. Dort sagte man mir, ich solle es zur Tourleitung bringen und solle mein Rad solange hier stehen lassen. Bei der Tourleitung angekommen wusste man mit dem Rad auch nicht viel anzufangen. Der Tourleiter sagte mir, dass der Dopingarzt sich ein Bild von den Verletzten gemacht hat und er davon ausgeht, dass niemand lebensbedrohlich verletzt wurde. Zumindest das war dann schon erleichternd. Ich schlug vor, das Rad wieder zum Infozelt zu bringen und dort zu deponieren. Man machte mir im Zielbereich ein Tor auf und ließ mich auf die andere Seite als auch schon ein Freund des Verletzten ankam und das Fahrrad stellvertretend in Empfang nahm.
Das wars. Zurück zum Hotel und auf die Autobahn - 253 km zurück nach Königstein.
Für mich persönlich waren diese 2 Tage ein ganz außergewöhnliches Ereignis. Auch wenn ich alleine dort hin gereist bin hatte ich sehr viel Spaß an dem Rennen. Für mich ist der nächste Münster Giro 2012 gesetzt!
Peter Kuipers (Startnummer 5382) wird die 110km-Tour als einziger des IK-Teams fahren.
Soeben haben sich Sascha Imhof (Startnummer: 5383) und Peter Kuipers (Startnummer 5382) für die 110km-Tour angemeldet.
Anreise wird am 2.10.11 sein. Weitere Infos in Kürze an dieser Stelle.